Bundeswehr: Sexuelle Belästigung, Drogen, Rechtsextrem – Was ist dran am Fallschirmjäger-Skandal? Ein schwerwiegender Skandal erschüttert die Bundeswehr und wirft kritische Fragen auf. Im Zentrum stehen massive Vorwürfe gegen Angehörige des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken, Rheinland-Pfalz. Die Ermittlungen decken ein Bündel aus rechtsextremistischen Umtrieben, sexualisierten Übergriffen und Drogenmissbrauch innerhalb der Eliteeinheit auf. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die Vorfälle als „erschütternd“ verurteilt und eine lückenlose Aufarbeitung angekündigt.
Insgesamt werden 55 Soldaten beschuldigt, gegen neun wurde bereits die Entlassung ausgesprochen.
Das Ausmaß der Vorwürfe in der Einheit
Den Ermittlungen zufolge häuften sich in der Einheit über Jahre hinweg schwerwiegende Verfehlungen.
Zu den bekannt gewordenen Einzelvorwürfen zählen das Zeigen des Hitlergrußes auf der Stube, das Äußern von antisemitischen Hassparolen sowie die Durchführung einer sogenannten „Nazi-Party“.
Soldatinnen wurden über einen längeren Zeitraum mit sexualisierten, abwertenden Äußerungen konfrontiert, es gab Drohungen mit Vergewaltigung und exhibitionistisches Verhalten. Hinzu kommt der Vorwurf des Konsums harter Drogen wie Kokain.
Ermittlungen und erste personelle Konsequenzen
Die Bundeswehr und die zivilen Strafverfolgungsbehörden haben umfangreiche Ermittlungen eingeleitet.
Gegen insgesamt 55 Soldaten des etwa 1.800 Personen starken Regiments wird ermittelt.
Bis Mitte Januar 2026 sind bereits neun Soldaten aus dem Dienst entlassen worden, für weitere 19 wurde die Entlassung eingeleitet. In 16 strafrechtlich relevanten Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft Zweibrücken, in 20 anderen Fällen führt die Wehrdisziplinaranwaltschaft Vorermittlungen.
Reaktion der Bundeswehr-Führung und politische Aufarbeitung
Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, haben die Vorfälle scharf verurteilt.
Pistorius kritisierte ausdrücklich, dass das Fehlverhalten vor Ort nicht sofort mit der erforderlichen Konsequenz verfolgt wurde.
Als Reaktion lässt der Inspekteur des Heeres einen „Aktionsplan Luftlandetruppe“ erarbeiten, der Maßnahmen in den Bereichen Dienstaufsicht, Struktur, Prävention und Personal bündeln soll. Der Bundestag hat sich in seinem Verteidigungsausschuss mit dem Skandal befasst, wobei Kritik an den Meldestrukturen und der Aufklärungsgeschwindigkeit geäußert wurde.
Interne Meldeprobleme und zeitlicher Ablauf
Der Skandal wirft auch ein Licht auf Probleme im internen Meldewesen der Bundeswehr.
Erste anonyme Hinweise einer Soldatin gab es bereits im Oktober 2024 bei einem Truppenbesuch der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl.
Die Führungsebenen von Bundeswehr und Verteidigungsministerium wurden demnach im Februar 2025 über disziplinarrechtlich relevante Vorgänge informiert. Der große Umfang der Vorwürfe wurde durch diese ersten Meldungen aber nicht abgebildet.
| Aspekt | Bekannte Fakten & Zahlen |
|---|---|
| Betroffene Einheit | Fallschirmjägerregiment 26, Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) |
| Art der Vorwürfe | Rechtsextremismus/Antisemitismus, sexualisierte Übergriffe/Sexismus, Drogenmissbrauch |
| Ermittlungen | Gegen 55 Soldaten; 16 Fälle bei Staatsanwaltschaft, 20 bei Wehrdisziplinaranwaltschaft |
| Personelle Konsequenzen | 9 Soldaten entlassen, für 19 weitere Entlassung eingeleitet (Stand: Januar 2026) |
| Politische Reaktion | Scharfe Verurteilung durch Verteidigungsministerium, Befassung im Verteidigungsausschuss |
| Interne Maßnahmen | Austausch des Kommandeurs, Erarbeitung eines „Aktionsplans Luftlandetruppe“ |
Bsp. Grafik: Bundeswehr: Sexuelle Belästigung, Drogen, Rechtsextrem – Was ist dran am Fallschirmjäger-Skandal? (c) cc/ZDF



